Redsch

Redsch schreibt jetzt hier.

Hunderunden am Hundstag ohne Hund

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8. Dezember

Gestern am Limit. Ein nicht still stehendes Telefon, Termin Zu- und wieder Absagen. Glückliche Momente mit Redsch-Jr., der sich manchmal schon wirklich wie ein Mann verhält. Der den Mond mag. Der zärtlich ist. Sorge um die Nochzusammenwohnfrau. Deren einer Freund oder Freundin sich nicht meldet und die vermutet, es liegt an Redsch. Kann es aber nicht. Deren Vater die Trennung von Redsch schon vor einem Jahr gut gefunden hätte aber zu der Zeit (tschuldigung) scheißefreundlich zu Redsch war. Neue fehlende Informationen, die Redsch zeigen, dass er ja immer noch nur einen Bruchteil dessen weiss, was er gar nicht wissen will. Jeden Tag noch was. Am Abend ist Redsch dann etwas zerstört. Dreht Hunderunden ohne Hund um den Block. Die Dreher von Hunderunden MIT Hund schauen schon argwöhnisch ob des einsam kreisenden Typen. Die frische Winterluft tröstet Redsch und trocknet auch am schnellsten die Augen. Leider ein schlimmer (aber wohl auch wahrer) Satz rausgerutscht. Dann aber Trauer und tief empfunden. Ein später Beginn und ein frühes Ende der Nacht. Einsam. Keine Bilder möglich jetzt.

Das Gefühl, wenn man sich etwas schöngeredet hat, das dann nicht klappt. Und noch eine nicht gewusste, echte Freundin entdeckt. Sie bietet Redsch ein Gespräch an, wenn er mal eins dringend braucht.

Geschrieben von redsch

Dezember 9, 2008 um 9:43

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Die Fassungslosigkeit

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6./7. Dezember

Die Fassungslosigkeit macht sich breiter und breiter. Sich überbietende Tiefpunkte und neuer Tiefstand im Auslassen von Verletzungschancen. Am leichtesten fällt der Abschied von diesem Paralleluniversum der Lügen, kleinen Verschwiegenheiten und der ganzen Heuchelei-Fassade. Erst bröckelt der Putz, dann kracht’s von der Wand runter. So auch hier. Gespürt hatte man das sowieso immer schon.

Aber auch: Ein Nikolaus ohne Mütze aber mit dickem Bauch hinter der Brötchentheke. Eine nette Maklerin am Telefon. Ein angenehmer Einkauf im Internet. Freunde, die Freunde sind, obwohl sie nie wirklich welche waren. Ganz kleine Freuden, eine Spielplatzbekanntschaft. Eine schöne Verlegenheit. Sowas alles. Kunterbunt durcheinander. Leben. Eben. Und ein Wink aus Hamburg, der schönsten Stadt der Welt.

Geschrieben von redsch

Dezember 7, 2008 um 8:45

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Wird schon

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Beide sind jetzt traurig. Jeder hat seine eigenen Gründe. Redsch ist genervt vom Wohnungssuchen. Weil man da jedes mal Auskunft über alles geben muss, was eigentlich ja keinen was angeht. Und weil Redsch diese Wohnung vermissen wird. Nicht weil sie bequem war. Weil sie soviel Kraft verschlungen hat, während in ihr gelebt wurde. Und weil es Redsch-Juniors erstes Dach überm Kopf war und ist. Und unser gemeinsames. Und so verzieht sich Redsch so viel er kann, was dann aber auch (obwohl ausdrücklich vorher verlangt) ja nicht recht ist. Wird dann wieder als Beweis gesehen „er kümmert sich halt nicht“. Tröstlich ist ihm Redsch-Junior, der jetzt wenigstens mal zwei Tage im Mittelpunkt stand. Nicht die Erwachsenen mit ihren vielen Worten, die auch nur immer Übersetzungen für „du hast mir weh getan“ sind.

Redsch sieht und erlebt aber auch sehr bewusst, wer die neuen und alten wirklichen Freunde sind. Und wer diejenigen, die bei Krisen immer schön schnell verschwunden sind. Ausser, es sind ihre eigenen.

Redsch freut sich, heute nach 5 Jahren einen „alten Kollegen und Compagnero“ zum Essen getroffen zu haben. Wo er nicht sicher war, vorher, was das soll. Aber es tat gut dann. Auch einer mit Ecken und Kanten. Nicht so’n dampfgebügelter Vorstadtspiesser.

Redsch hat auch wieder angefangen, sich so ein, zweimal die Woche Abends zu verabreden. Er denkt, den einen oder anderen schönen Abend darf er haben. Mann, er muss ja Gründe sammeln, warum das alles so noch lohnt in dieser Pechstadt. Wenn schon das Wichtigste in die Binsen geht. Verordnete Flucht die zum Vorwurf gereicht wird. Eine Vorspeise, ein Gruß aus der Küche für das, was danach kommt? Weg will sie ihn haben, weg nur weg. Das atmet aus jeder Bewegung, jedem Satz, selbst aus den Gedanken, die in den Augen manchmal zu sehen sind. „Verschwinde aus meinem Leben.“

Nein. Kann ich, will ich, werd ich nicht. Nur aus Deinem Liebesleben. Da bin ich weg. So wolltest Du es. Und das tut jetzt weh. ICH weiss. Mir ja auch. Und was das ist, das Dir da weh tut, das wirst Du vermutlich auch noch heraus finden. Ich streite nicht mehr dafür, dass das stattfindet. Die Kraft ist nicht übrig. Das passiert dann einfach eines Tages. Oder ist schon. Oder wer weiss.

Was ich NICHT weiss, ist, was richtig ist. Für Dich. Für mich seh ich langsam klarer. Wenn auch nur zaghaft. Und das, das kannst Du ruhig merken. Redsch ratsch klick.

Zu Hause, da sagen sie: „wird schon“. Das „wieder“ hintendran lassen sie aus weiser Vorsicht weg. Jedenfalls wird also was. Das ist doch mehr als nichts.

Geschrieben von redsch

Dezember 5, 2008 um 8:31

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Ich habe genau gesehen

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4. Dez 2008

Ich habe genau gesehen, es waren echte Tränen.

Auch, wenn Du dann etwas anderes gesagt hast.Hilflos habe ich es Dir angesehen. Mit den Augen gebettelt, wenigstens trösten zu dürfen. Aber ich bin der Letzte, von dem Du das willst. Jetzt hast Du ja „die Kraft, das durchzuziehen“. Tu das. Für Dich. Uns anderen tut es einfach nur weh.

Geschrieben von redsch

Dezember 5, 2008 um 8:57

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Abgemahnt

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29. November

Nach dem guten Gespräch kommt nun per Einschreiben die Frist zum Auszug. Wohl mit Mühe möglichst freundlich verfasst. Unverbindlich für sie – verbindlich für mich. Wie sowas eben ist. Aber ja eine Drohung. Das erste offizielle Schriftstück zur Trennung kommt auf einem ordinären Schmierzettel daher. Eine Weichenstellung für drei Leben auf einem schmuddeligen, zerknitterten mit Kugelschreiber fahrig hingeschmierten Karopapier. Bin nicht sicher, ob es unter diesen Umständen Sinn hat, überhaupt noch einmal über gegenseitigen Respekt und Wertschätzung zu sprechen. Eine Angst wird juristisch wirksam bekämpft, eine andere beginnt sich zu bestätigen. Gesagt wird mir, dass bei Problemen man andere Regelungen finden kann. Aber gesagt wurde schon so viel. Und erinnert dann so wenig. Und dann ist da ja noch dieser Schmuddelzettel. Und der ist dann, was zählt. Wie kann die Abscheu gegenüber manchen Handlungen so nah bei der Liebe für eine Person liegen? Ich bin so weit von einem Verstehen und von einem Verstanden-Werden wie noch nie.

Anziehung

Nebel zieht auf, das Wetter schlägt um. Der Mond
versammelt Wolken im Kreis. Das Eis auf dem See hat
Risse und reibt sich. Komm über den See.

(Sarah Kirsch, “Zaubersprüche”)

[Nachtrag]
Obendrauf gab es beim Öffnen und Lesen noch diesen Kommentar: „Du wirst ja immer erst bei größtmöglichem Druck von Außen aktiv.“ (quasi als Begründung).  Schade, dass man Zuneigung und Füreinander Dasein nicht per Einschreiben als Druck von Außen versenden kann. Das geht nur mit sowas.

Und doch auch ein wunderschöner Tag. Kochen mit Redsch-Jr. Ohne ihre Gegenwart ist er ein anderer Kleinmensch. So aufmerksam, so zärtlich – wenn wir nicht gerade toben. Bewundert den Adventskranz, sagt stolz das neue Wort “Mii-nuute”, erst leise, dann einmal laut. Ich sehe ihn mit den Augen den Zeiger verfolgen, denke: Wie glücklich nicht das Zerrinnen von Zeit zu verstehen. Freude auf morgen, wenn die erste Kerze brennt. “Morgen”, das versteht er schon. Und dieses Verstehen ist der Anfang vom Ende der Freiheit. Sein sonstiger Trotz ist wie mit ihr zusammen verflogen. Traurig schaut er, dass sie heute erst spät zurück ist. “Mama nochmal reinguckt?!?”. Ja, ich bin sicher. Das wird sie. Was er wohl fragt, ob er wohl fragt, bei mir?

[2. Nachtrag]

Falsches und Wahres ist nicht in den Dingen,
sondern im Geist.

6. Buch der Metaphysik 

(( Ich habe keine sieben Häute mehr, die mich vor dem Durchbrechen von Angst und Abwehr bewahren würden. Und seit heute ist es wieder eine weniger. Jetzt liegen die Knochen schon fast ganz frei. ))

Geschrieben von redsch

November 29, 2008 um 1:52