Hunderunden am Hundstag ohne Hund
8. Dezember
Gestern am Limit. Ein nicht still stehendes Telefon, Termin Zu- und wieder Absagen. Glückliche Momente mit Redsch-Jr., der sich manchmal schon wirklich wie ein Mann verhält. Der den Mond mag. Der zärtlich ist. Sorge um die Nochzusammenwohnfrau. Deren einer Freund oder Freundin sich nicht meldet und die vermutet, es liegt an Redsch. Kann es aber nicht. Deren Vater die Trennung von Redsch schon vor einem Jahr gut gefunden hätte aber zu der Zeit (tschuldigung) scheißefreundlich zu Redsch war. Neue fehlende Informationen, die Redsch zeigen, dass er ja immer noch nur einen Bruchteil dessen weiss, was er gar nicht wissen will. Jeden Tag noch was. Am Abend ist Redsch dann etwas zerstört. Dreht Hunderunden ohne Hund um den Block. Die Dreher von Hunderunden MIT Hund schauen schon argwöhnisch ob des einsam kreisenden Typen. Die frische Winterluft tröstet Redsch und trocknet auch am schnellsten die Augen. Leider ein schlimmer (aber wohl auch wahrer) Satz rausgerutscht. Dann aber Trauer und tief empfunden. Ein später Beginn und ein frühes Ende der Nacht. Einsam. Keine Bilder möglich jetzt.
Das Gefühl, wenn man sich etwas schöngeredet hat, das dann nicht klappt. Und noch eine nicht gewusste, echte Freundin entdeckt. Sie bietet Redsch ein Gespräch an, wenn er mal eins dringend braucht.
Die Fassungslosigkeit
6./7. Dezember
Die Fassungslosigkeit macht sich breiter und breiter. Sich überbietende Tiefpunkte und neuer Tiefstand im Auslassen von Verletzungschancen. Am leichtesten fällt der Abschied von diesem Paralleluniversum der Lügen, kleinen Verschwiegenheiten und der ganzen Heuchelei-Fassade. Erst bröckelt der Putz, dann kracht’s von der Wand runter. So auch hier. Gespürt hatte man das sowieso immer schon.
Aber auch: Ein Nikolaus ohne Mütze aber mit dickem Bauch hinter der Brötchentheke. Eine nette Maklerin am Telefon. Ein angenehmer Einkauf im Internet. Freunde, die Freunde sind, obwohl sie nie wirklich welche waren. Ganz kleine Freuden, eine Spielplatzbekanntschaft. Eine schöne Verlegenheit. Sowas alles. Kunterbunt durcheinander. Leben. Eben. Und ein Wink aus Hamburg, der schönsten Stadt der Welt.
Wird schon
Beide sind jetzt traurig. Jeder hat seine eigenen Gründe. Redsch ist genervt vom Wohnungssuchen. Weil man da jedes mal Auskunft über alles geben muss, was eigentlich ja keinen was angeht. Und weil Redsch diese Wohnung vermissen wird. Nicht weil sie bequem war. Weil sie soviel Kraft verschlungen hat, während in ihr gelebt wurde. Und weil es Redsch-Juniors erstes Dach überm Kopf war und ist. Und unser gemeinsames. Und so verzieht sich Redsch so viel er kann, was dann aber auch (obwohl ausdrücklich vorher verlangt) ja nicht recht ist. Wird dann wieder als Beweis gesehen „er kümmert sich halt nicht“. Tröstlich ist ihm Redsch-Junior, der jetzt wenigstens mal zwei Tage im Mittelpunkt stand. Nicht die Erwachsenen mit ihren vielen Worten, die auch nur immer Übersetzungen für „du hast mir weh getan“ sind.
Redsch sieht und erlebt aber auch sehr bewusst, wer die neuen und alten wirklichen Freunde sind. Und wer diejenigen, die bei Krisen immer schön schnell verschwunden sind. Ausser, es sind ihre eigenen.
Redsch freut sich, heute nach 5 Jahren einen „alten Kollegen und Compagnero“ zum Essen getroffen zu haben. Wo er nicht sicher war, vorher, was das soll. Aber es tat gut dann. Auch einer mit Ecken und Kanten. Nicht so’n dampfgebügelter Vorstadtspiesser.
Redsch hat auch wieder angefangen, sich so ein, zweimal die Woche Abends zu verabreden. Er denkt, den einen oder anderen schönen Abend darf er haben. Mann, er muss ja Gründe sammeln, warum das alles so noch lohnt in dieser Pechstadt. Wenn schon das Wichtigste in die Binsen geht. Verordnete Flucht die zum Vorwurf gereicht wird. Eine Vorspeise, ein Gruß aus der Küche für das, was danach kommt? Weg will sie ihn haben, weg nur weg. Das atmet aus jeder Bewegung, jedem Satz, selbst aus den Gedanken, die in den Augen manchmal zu sehen sind. „Verschwinde aus meinem Leben.“
Nein. Kann ich, will ich, werd ich nicht. Nur aus Deinem Liebesleben. Da bin ich weg. So wolltest Du es. Und das tut jetzt weh. ICH weiss. Mir ja auch. Und was das ist, das Dir da weh tut, das wirst Du vermutlich auch noch heraus finden. Ich streite nicht mehr dafür, dass das stattfindet. Die Kraft ist nicht übrig. Das passiert dann einfach eines Tages. Oder ist schon. Oder wer weiss.
Was ich NICHT weiss, ist, was richtig ist. Für Dich. Für mich seh ich langsam klarer. Wenn auch nur zaghaft. Und das, das kannst Du ruhig merken. Redsch ratsch klick.
Zu Hause, da sagen sie: „wird schon“. Das „wieder“ hintendran lassen sie aus weiser Vorsicht weg. Jedenfalls wird also was. Das ist doch mehr als nichts.
Ich habe genau gesehen
4. Dez 2008
Ich habe genau gesehen, es waren echte Tränen.
Auch, wenn Du dann etwas anderes gesagt hast.Hilflos habe ich es Dir angesehen. Mit den Augen gebettelt, wenigstens trösten zu dürfen. Aber ich bin der Letzte, von dem Du das willst. Jetzt hast Du ja „die Kraft, das durchzuziehen“. Tu das. Für Dich. Uns anderen tut es einfach nur weh.